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Mögliche Reaktionen nach einer Impfung

Obwohl Impfungen zu den sichersten und den am besten verträglichen Arzneimitteln gehören, werden immer wieder vereinzelt Impfreaktionen beobachtet. Allerdings sind gesundheitlich bedeutsame Impfkomplikationen äußerst seltene Ereignisse. Ob und in welchem Umfang Nebenwirkungen auftreten können, wollen wir in diesem Abschnitt erläutern.


Nebenwirkungen egal ob prophylaktischer oder therapeutischer Intervention erfahren in der heutigen Zeit immer mehr Aufmerksamkeit. Im besonderen Maße trifft das auf Impfungen zu, da diese im Allgemeinen vorbeugend an gesunde Menschen verabreicht werden. Es kommt hinzu, dass bei einer relativ hohen Durchimpfungsrate der Bevölkerung, die Nebenwirkungen immer mehr ins Bewusstsein rücken, als die kaum oder nicht mehr zu fürchtenden Infektionskrankheiten. Es muss aber offen gesagt werden, dass keine Impfung völlig frei von Nebenwirkungen ist. Darüber hinaus sind gesundheitliche Schädigungen, die durch eine Impfung ausgelöst werden, möglich. Auch wenn eine Schädigung im Ausnahmefall auftreten kann, ist das Risiko eines ungeimpften Kindes um ein Vielfaches höher. So ist z.B. ein Kind nach einer Infektion mit dem Masernvirus 500-mal häufiger von einer Hirnentzündung betroffen, als nach einer Schutzimpfung. Außerdem können durch hohe Impfraten Krankheiten vollständig beseitigt werden, was die Möglichkeit eröffnet, völlig ohne schädlicher Nebenwirkungen leben zu können.


Unerwünschte Arzneimittelwirkungen nach einer Impfung

In den ersten 48 Stunden nach einer Impfung kann es vorkommen, dass das Kind auf Berührungen an der Impfstelle empfindlich reagiert. Häufig ist dann die Einstichstelle gerötet. In seltenen Fällen kann innerhalb von 48 Stunden leichtes Fieber hinzukommen. Alle diese Beobachtungen können, aber müssen nicht auftreten. Darüber hinaus handelt es sich bei den meisten Kindern um ganz normale Impfreaktionen.


Verfolgen Sie aber weiterhin den Gesundheitszustand des Kindes wie auch sonst ohne Impfung. Wenn Sie außergewöhnliche Krankheitszeichen feststellen, die Sie beunruhigen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Da es sich nicht unmittelbar um eine Impfreaktion handeln muss, sondern um eine andere Erkrankung, die behandelt werden sollte.


Die normale unkomplizierte Impfreaktion

Eine Impfung soll im Körper eine Reaktion auslösen und ihn vor schweren, oft sogar lebensbedrohlichen Krankheiten schützen. Der Impfstoff hat dabei die Aufgabe, das Immunsystem des Körpers zu stärken. Wird ein Kind geimpft, so reagiert sein Immunsystem fast genauso wie auf eine richtige Infektion. In Ausnahmefällen können infolgedessen Krankheitszeichen einer Infektion nach einer Impfung auftreten. Diese Impfreaktion zeigt, dass das Immunsystem auf den Impfstoff anspricht und die abgetöteten oder abgeschwächten Erreger bzw. Erregerbestandteile bekämpft. Dabei handelt es sich aber um keine Impfkomplikation. Der Körper lernt vielmehr, Abwehrstoffe zu bilden, um sich vor dem erneuten Auftreten eines bestimmten Erregers zu schützen. Als Zeichen dieser Reaktionen im Körper kann es zu leichten Lokal- (Rötung, Schwellung, leichtes Schmerzempfinden an der Injektionsstelle) und Allgemeinreaktionen (Krankheitsgefühl, leichter Temperaturanstieg) kommen. Der Kombinationsimpfstoff Masern-Mumps-Röteln kann leichte Reaktionen verursachen. Diese können im Zusammenhang mit einer Temperaturerhöhung auch einen Fieberkrampf auslösen. In einigen Fällen wurde in der dritten Woche nach einer Impfung eine leichte Entzündung der Ohrspeicheldrüse beobachtet. Die Mediziner bezeichnen diese Aktivitäten des menschlichen Organismus als Impfreaktionen, von denen cirka 10 Prozent aller geimpften Personen betroffen sind.


Die Weltgesundheitsorganisation unterscheidet in diesem Zusammenhang vier verschiedene Kategorien von Impfreaktionen:


1. Durch eine Schutzimpfung verursachte unerwünschte Impfreaktionen.


Dabei handelt es sich um Erkrankungen, die in einem zeitlichen und ursächlichen Zusammenhang mit einer Impfung stehen. Diese Reaktionen können bereits wenige Stunden oder aber auch erst einige Tage nach einer Impfung auftreten. So kann es nach einer Masernimpfung bei etwa 3 – 5 Prozent der geimpften Personen innerhalb von 9 bis 12 Tagen zu Impfmasern (großflächiger Hautauschlag) kommen, der aber nicht übertragbar ist. Bei einer Tetanusimpfung kann an der Impfstelle in den ersten 48 Stunden eine schmerzhafte Schwellung auftreten. Eine Impfung gegen Keuchhusten kann kurzzeitig Fieber auslösen.


2. Durch eine Schutzimpfung ausgelöste unerwünschte Impfreaktionen.


Gesundheitliche Probleme (z.B. epileptischer Anfall eines Kindes, nach einer Keuchhustenimpfung), die auch zu einem anderen Zeitpunkt aufgetreten wären, bei denen die Impfung aber der endgültige Auslöser der Symptome war. Bis zum Impftermin war die Epilepsie stumm, aber eine Keuchhustenimpfung, welche das Auftreten von Fieber und einen damit verbundenen Krampfanfall begünstigt, kann die Epilepsie auslösen. Die Epilepsie wäre aber auch dann aufgetreten, wenn das Kind zu einem anderen Zeitpunkt Fieber bekommen hätte.


3. Krankheiten durch fehlerhafte Produktion, Anwendung oder Dosierung eines Impfstoffes.


Fehler bei der Produktion und Auslieferung der Impfstoffe treten äußerst selten auf, da für Impfstoffe dasselbe strenge Arzneimittelgesetzt gilt, wie für alle anderen Medikamente. In jedem Unternehmen, welches Impfstoffe herstellt, wird der Produktionsablauf genau kontrolliert. Selbst bei einem bereits zugelassenen Impfstoff wird die Charge vor der unwiderruflichen Erlaubnis, diese den Patienten zu verabreichen, nochmals geprüft. Dagegen kann es infolge einer schlechten Impftechnik und Dosierung zu unerwünschten Reaktionen kommen. Wurde z.B. die Tetanusimpfung nicht direkt in den Muskel verabreicht, sondern knapp unter die Haut gespritzt, wird die Reaktion des Impfstoffes verstärkt und es kann Fieber auftreten. Haftet Diphtherie- oder Tetanusimpfstoff vor dem Einstich an der Impfnadel und gelangt dadurch in den Stichkanal, können Knötchen an der Einstichstelle entstehen, die zwar harmlos, aber über mehrere Wochen fühlbar sind.


4. Krankheiten, die zufällig mit einer Schutzimpfung zusammentreffen und dieser fälschlicherweise zugeschrieben werden.


Dazu ein realistischer Fall: Eine Person hat eine Impfung gegen die Frühsommer-Meningoencephalitis (FSME) am fünfzehnten eines Monats erhalten. Am fünften des darauf folgenden Monats wurde die geimpfte Person mit dem Verdacht auf eine Hirnhautentzündung in ein Krankhaus eingeliefert. Der Patient vermutete nun, dass es sich bei der Entzündung um eine durch die Impfung ausgelöste FSME handeln muss. Aber aufgrund entsprechender Blutuntersuchungen und der Chargenprüfung der Impfstoffe, mit welcher der Patient geimpft wurde, konnte eindeutig nachgewiesen werden, dass der Geimpfte kurz nach einer vorgenommen Impfung von einer infizierten Zecke gebissen wurde.


Gerade solche Fälle zeigen, wie einfach es ist, erforderlichen Impfungen einen schlechten Ruf zu verleihen, indem einer ursächlichen und wirkungsbezogenen Aufklärung der Reaktion des Körpers nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt wird. Wenn dann noch entsprechende Schlagzeilen folgen, werden viele Impfwillige verunsichert und das Ansehen der Impfung nimmt beträchtlichen Schaden.


Impfkomplikationen und das Risiko, nicht geimpft zu sein

Dennoch sollte nicht verschwiegen werden, dass Impfungen Impfkomplikationen auslösen können.


In der Medizin spricht man dann von einer Impfkomplikation, wenn schwere Krankheiten, mit möglicherweise auch bleibendem Schaden, die durch eine Impfung verursacht werden, auftreten. So löste noch vor einigen Jahren die Schluckimpfung gegen Kinderlähmung selber eine Polio-ähnliche Erkrankung (Lähmungen) aus. Von dieser Impfpoliomyelitis war eine von 4,4 Millionen geimpften Personen betroffen. Heute wird in Deutschland nur noch der Totimpfstoff gegen Kinderlähmung verabreicht, der diese Komplikation nicht mehr hervorruft.


Durch eine Verbesserung der Impfstoffe konnte aber die Anzahl der Impfkomplikationen in den letzten zehn Jahren deutlich gesenkt werden. So wurden in diesem Zeitraum nur 400 Menschen mit einem anerkannten Impfschaden gemeldet. Rund 200 aller Betroffenen sind dabei von Komplikationen betroffen, die noch von der veralteten, aber seit 1982 nicht mehr durchgeführten, Pockenschutzimpfung verursacht wurden. Würden die meisten Menschen aber auf eine Impfung verzichten, könnten bereits nahezu verdrängte Infektionskrankheiten wieder aufflammen. Bei einer erneuten Rückkehr der Masern, würden dann von 700.000 geborenen Kindern im Jahr die meisten wieder an Masern erkranken. Dann müssten 150 Kinder an einer Hirnhautentzündung sterben und 200 Kinder behalten geistige Schäden zurück. In zehn Jahren sind dann 1.500 tote und 2.000 geistig behinderte Kinder zu beklagen. Die Folgen anderer mehrfach auftretender Impfkomplikationen nach einer Masernimpfung, wie z.B. die bakterielle Lungen- und Mittelohrentzündung mit späteren Organschäden, sind hier noch gar nicht erfasst. Daher sind Masern-Partys, die von vielen Eltern in Erwägung gezogen werden, damit sich das eigene Kind gezielt mit dem Masernvirus infiziert, nicht zu rechtfertigen. Denn die Kinder werden unnötig einem sehr hohen Risiko ausgesetzt. Darüber hinaus steigt das Risiko für Nicht-Geimpfte und Nicht-Erkrankte, sich im Erwachsenenalter oder als Jugendlicher auf Fernreisen anzustecken. Je älter dann der Infizierte ist, umso schwerwiegender sind die Komplikationen.


Wirkliche schwerwiegende Reaktionen nach einer Impfung sind aber äußerst seltene Ereignisse:

Impfstoff/
Krankheit
Symptom Häufigkeit des Auftretens
nach einer Impfung
Häufigkeit des Auftretens
bei einer Erkrankung
Mumps Hodenentzündung 0 ein Ereignis auf vier erkrankte
Jugendliche bzw. Erwachsene
Masern Hirnentzündung 0 ein Ereignis auf 500 bis 10.000
Erkrankungen
Kinderlähmung Lähmung 0 (Totimpstoff)
in der Vergangenheit:
ein Ereignis auf 4,4 Millionen
ein Ereignis auf 100 bis 1000
je nach Poliovirus
Röteln Gelenkschmerzen bis zu 25 Ereignisse auf 100
erwachsene Frauen
bis zu 70 Ereignisse auf 100
Erwachsene

Viele Menschen stehen Impfungen oft reserviert gegenüber, weil befürchtet wird, dass Schutzimpfungen Nachwirkungen haben können und dadurch der Nutzen, der aus einer Impfung erzielt werden kann, eindeutig unter dem Risiko liegt, wenn kein Schutz vor Infektionskrankheiten vorgenommen wird. Unverständlich bei der Diskussion um die Vor- und Nachteile von Schutzimpfungen ist nur, warum Nachwirkungen so emotional beurteilt werden und so viel Unvernünftiges behauptet wird. Jeden Tag nehmen viele Bürger vermeidlich harmlose Arzneimittel gegen z.B. Schmerzen in rauen Mengen ein, ohne den Beipackzettel zu lesen. Aber auch hier sind Nebenwirkungen aufgelistet, die zwar sehr selten sind, aber ebenso auftreten können.


Quellen


Veröffentlicht: 01/2007, von Anja Lüdtke






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