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Rheumatoide Arthritis

Die häufigste entzündliche Form des Rheumas ist die rheumatoide Arthritis (kurz RA), welche auch unter den Namen chronische Polyarthritis bekannt ist. Sie befällt vor allem die Gelenke und kommt bei Frauen dreimal häufiger vor als bei Männern.


In Deutschland leiden ca. 800.000 Menschen daran. Zwar kann eine rheumatoide Arthritis in jedem Lebensalter auftreten (sogar bei Kindern), jedoch beginnt die Erkrankung vorwiegend zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr, sowie nach dem 60. Lebensjahr. Demzufolge ist die RA keine typische Alterskrankheit, wie oft vermutet wird.


Rheumatische Arthritis - Was ist das?

Bei der chronischen Polyarthritis sind meist mehrere Gelenke von der Entzündung betroffen, daher stammt auch der Name (griechisch: poly = viel, Arthritis = Gelenkentzündung). Das Immunsystem greift die eigenen Gelenke sowie verschiedene Gewebe an und zerstört sie (Autoimmunität). Dabei beginnt die RA häufig in den Finger-, Hand- und Fußgelenken und weitet sich dann auf andere Gelenke wie Schultern und Knie aus. Durch die chronische Entzündung treten Schmerzen und symmetrische Schwellungen auf, welche über einen längeren Zeitraum bestehen. Im weiteren Verlauf der Krankheit kommt es sogar zu Fehlstellungen und Funktionsverlust (Versteifung) der Gelenke.


Symptome

• Morgensteifigkeit der Gelenke (meist von mehr als einer Stunde)
• Schwellung der Gelenke (vor allem in den Fingergrund- und Fingermittelgelenken)
• morgendliche und nächtliche Gelenkschmerzen
• gleichzeitiger Befall desselben Gelenkbereiches an beiden Körperhälften
• Allgemeinbeschwerden wie allgemeines Krankheitsgefühl, Müdigkeit, Erschöpfung, Gewichtsverlust, nächtliches Schwitzen und Temperaturerhöhung
• eventuell auch Nagelveränderungen

Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu degenerativen Gelenkserkrankungen wie Arthrose, ist die Dauer der Steifigkeit. Denn bei einer Arthrose treten auch Steifigkeit und Schmerzen der Gelenke in den frühen Morgenstunden auf, welche jedoch nur wenige Minuten anhalten. Zusätzlich ist der Schmerzcharakter ein weiterer Unterscheidungspunkt, da die Schmerzen bei entzündlichen Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis bei Ruhe dominieren, und bei Gelenkerkrankungen durch Abnutzung (Arthrose) bei Belastung zunehmen. Des Weiteren sind bei einer RA die entsprechenden Gelenke auf beiden Seiten des Körpers (symmetrisch) betroffen, im Gegensatz zu anderen rheumatischen Erkrankungen.


Im Verlauf der Krankheit können die Gelenke dann typische Veränderungen aufweisen, wie:
Schwanenhalsdeformität - das letzte Fingerglied knickt nach unten weg
Rheumaknoten - tastbare, verschiebbare, nicht schmerzhafte Knötchen im Unterhaut-Fettgewebe, die sich besonders häufig an der Streckseite der Gelenke (des Unterarms) befinden
Ulnardeviation - die Finger rutschen nach außen ab
Knopflochdeformität - die Fingerknöchel treten nach oben

Allerdings kann eine rheumatoide Arthritis nicht nur die Gelenke betreffen, sondern in einigen (seltenen) Fällen auch zu Veränderungen an den Organen führen. Diese können aber auch bei anderen Krankheiten vorkommen und treten nicht ausschließlich bei der chronischen Polyarthrits auf.

Tränen- und Speicheldrüsen - chronische Entzündung mit Trockenheit von Mund und Augen (Sicca-Syndrom oder auch Sjögren-Syndrom genannt)
Augen - Entzündung von unterschiedlichen Schichten der Augenwand (Episkleritis und Skleritis)
Lunge - Rippenfellentzündung (Perikarditis) oder Bindegewebsvermehrung der Lunge (Lungenfibrose)
Haut - Rheumaknoten oder Kleingefäßentzündung (Vaskulitis), zum Teil mit großen Hautdefekten, insbesondere an Fußrücken und Unterschenkeln
Herz - Herzbeutelentzündung (Perikarditis) und Flüssigkeitserguss im Herzbeutel (Perikarderguss)


Die rheumatoide Arthritis wird durch schubartige Phasen geprägt. Es herrscht ein ständiger Wechsel zwischen Phasen mit geringer Aktivität (kaum Schmerzen und Entzündung an den Gelenken) und Phasen eines hochaktiven entzündlichen und schmerzhaften Krankheitsgeschehens. Bei nicht ausreichender Behandlung, lassen sich dabei sichtbare äußerliche Veränderungen feststellen, welche aus einer Zerstörung bzw. Beschädigung von Bindegewebe (Bänder, Kapseln, Sehnen), Knochen und Knorpel im Bereich der Gelenke hervorgehen. Dadurch kommt es in den betroffenen Bereichen zu Fehlstellungen, Instabilität bis hin zu Funktionsverlusten (wie z. B. Beweglichkeitsverlust). Die Geschwindigkeit des Fortschreitens der Krankheit ist jedoch von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich.

Der Krankheitsverlauf der chronischen Polyarthritis wird medizinisch in vier Schweregrade eingeteilt:
1. Stadium - Schubartiges Auftreten von Gelenksschmerzen und -schwellungen mit Morgensteifigkeit und allgemeines Krankheitsgefühl
2. Stadium - Fortschreitender Verlust der Gelenkbeweglichkeit, Muskel- und Knochenschwund (Osteoporose), Mitbeteiligung des Bindegewebes (Schleimbeutel, Kapseln und Sehnenscheiden)
3. Stadium - Beginnende Zerstörung des Gelenkknorpels und Beschädigung im Knochen, langsame Schädigung des Bindegewebes (Lockerung der Gelenkkapsel und Bänder) mit anschließender Instabilität und Verformungen der Gelenke, zunehmende Beweglichkeitseinschränkung, Ausbreitung der Krankheit auf seltenere Regionen (wie z. B. große Gelenke, Kiefergelenke oder Halswirbelsäule)
4. Stadium - Beginn der knöchernen Überbrückung der Gelenke (Ankylose) mit völliger Gelenkversteifung und grobe Gelenkverformungen, weitgehende Unbeweglichkeit und Invalidisierung ( die Betroffenen sind im Alltag auf fremde Hilfe angewiesen)


Ursachen einer chronischen Polyarthritis

Trotz zahlreicher Studien sind die Ursachen der rheumatoiden Arthritis nicht vollständig geklärt. Man vermutet, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt. Also eine Krankheit, bei der sich die Zellen des Immunsystems gegen den eigenen Körper richten. Bei diesem Prozess werden entzündungsfördernde Botenstoffe des Immunsystems (Zytokine) freigesetzt, wodurch eine erneute Aktivierung dieses Vorgangs erfolgt. Durch die Entzündungsreaktion wird der Gelenkknorpel angegriffen und das Gelenk geschädigt. Des Weiteren scheint als Ursache für die chronische Polyarthritis, auch die genetische Veranlagung eine Rolle zu spielen.


Behandlungsmethoden der RA

Leider ist die Heilung der rheumatoiden Arthritis bisher noch nicht möglich. Jedoch lassen sich die Folgeschäden, mit dem rechtzeitigen Beginn einer passenden Therapie, verzögern oder sogar ganz unterbinden. Die Behandlungsziele umfassen die Linderung der Krankheitszeichen wie Schmerzen und Schwellungen (z. B. durch schmerz- und entzündungshemmende Medikamente), die Erhaltung der Gelenkbeweglichkeit und die Verhinderung von Gelenkdeformierungen. Zur Behandlung der chronischen Polyarthritis stehen unterschiedliche Therapiearten zur Verfügung, welche je nach Ausmaß der Krankheit und Bedürfnis des Betroffenen miteinander kombiniert werden können:

• Medikamentöse Therapie (in Form von Tabletten)
• Lokale medikamentöse Therapie (in Form von Spritzen)
• Physikalische Therapie
• Ergotherapie
• Operative Therapie
• Sozialmedizinische Maßnahmen

Medikamentöse Therapie
Basistherapeutika (Krankheitsmodulatoren) - Ihre Wirkung tritt nicht sofort ein, sondern je nach Wirkstoff (z. B. Chloroquin, Methotrexat und Sulfasalazin) erst nach einigen Wochen bzw. Monaten. Allerdings lassen sich mit ihnen die Beschwerden vorübergehend abstellen und entzündliche Schübe verhindern.
Nichtsteroidale Entzündungshemmer (NSAR, COX-2-Hemmstoffe) - Die nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie ASS, Diclofenac oder Ibuprofen wirken schnell und ausschließlich symptombezogen, indem sie die Entzündung und Schmerzen lindern. COX-2-Hemmstoffe blockieren im Körper ein Enzym, das an der Entstehung der schmerz- und entzündungsauslösenden Botenstoffe beteiligt ist. Deshalb wirken sie nicht nur fiebersenkend und schmerzlindernd, sondern dämmen auch die Entzündungsreaktion ein.
Zytokin-Hemmstoffe (TNF-alpha-Hemmer) - Zytokine sind körpereigene Substanzen, welche eine Mittelfunktion zwischen Zellen ausüben, die an der Entzündungsreaktion beteiligt sind. Der Botenstoff TNF-alpha ist dabei von besonderer Bedeutung, da er mit den an Entzündungen beteiligten weißen Blutkörperchen, andere Immunzellen zur Mitwirkung auffordert.
Kortikoide - Diese hemmen die Zerstörung von Knochen und Knorpel und besitzen damit auch eine basistherapeutische gelenkschonende Wirkung.


Lokale medikamentöse Therapie
Gelenkinjektion mit Kortikoiden - Die Injektion von Kortisonpräparaten in die Gelenke hat den Vorteil eines großen örtlichen Effektes, mit wenig allgemeinen Nebenwirkungen.
Gelenkinjektion mit radioaktiven Substanzen (Radiosynoviorthese) - Hierbei werden radioaktive Substanzen in die entzündeten Gelenke eingespritzt, welche dann zu einer „Vernarbung“ der Gelenkschleimhaut führen und somit auch zur Minderung der Schmerzen und Schwellung.
Topische Entzündungshemmung mit Salben - Eine topische (äußerliche) Behandlung ist in der Regel nebenwirkungsärmer, da eine hohe Wirkstoffkonzentration nur in dem behandelten Körperareal erreicht wird.


Physikalische Therapie
Wärme- und Kälteanwendungen - Je nach Stadium der Krankheit helfen Wärme- bzw. Kaltanwendungen um die Schmerzen und Schwellung zu lindern, sowie die Beweglichkeit zu steigern (z. B. milde Wärme im chronischen Stadium, Eispackungen im akuten Stadium).


Krankengymnastik - Meist ist es hilfreich, solche Übungen im warmen Wasser durchzuführen, da dieses die Muskulatur auflockert und einen Teil des Eigengewichts des Betroffenen trägt. Durch Krankengymnastik kann die Beweglichkeit verbessert werden.
Elektrotherapie - Hierbei durchfließen Gleich- oder Wechselströme die betroffenen Körperteile.
Massagen - Können die Beweglichkeit verbessern.


Ergotherapie (Gelenkschutzmaßnahmen)
Gelenkschutztraining - Durch dieses Training können die Betroffenen Bewegungsabläufe im Alltag erlernen, oder herausfinden welche Sitzpositionen am besten geeignet sind.
Hilfsmittel- und Schienenversorgung - Diese Hilfsmittel sollen dazu dienen, das Leben mit der Krankheit zu erleichtern und die Lebensqualität zu erhalten.

Operative Maßnahmen
Synovektomie - Entfernung der Gelenkschleimhaut, in der der Entzündungsprozess stattfindet.
Endoprothesen - Künstlicher Gelenkersatz, welcher vorwiegend bei großen Gelenken wie Hüfte und Knie zur Anwendung kommt.
Arthrodese - Operative Gelenkversteifung, die vor allem für eine Schmerzlinderung sorgt. Dabei wird die Bewegungsfähigkeit im Gelenk komplett unterbunden.
Rekonstruktive Chirurgie - Stellt verloren gegangene Funktionen des Körpers operativ wieder her. Typische Operationen sind Defektdeckungen durch Gewebeverschiebungen oder -verpflanzungen, Nervenverpflanzungen oder Sehnenumlagerungen.
Umstellungsoperationen

Sozialmedizinische Maßnahmen
rehabilitative Maßnahmen - Zum Beispiel durch einen Kuraufenthalt in einer ausgerichteten rheumatologischen Kurklinik. Betroffene mit schweren rheumatischen Erkrankungen, sollten eine solche Kurbehandlung in regelmäßigen Abständen vornehmen.
psychosoziale Betreuung - Mit einer psychosozialen Betreuung wird die „Hilfe zur Selbsthilfe“ ermöglicht.


Zusätzlich empfiehlt sich bei RA-Erkrankten eine Vermeidung von Übergewicht und eine vitamin-, mineralstoff- und ballaststoffreiche Mischkost. Betroffene sollten besonders auf fettes Fleisch, fette Wurstwaren, Sahnequark und Vollfettkäse verzichten. Denn vor allem in tierischen Lebensmitteln sind große Mengen an Arachidonsäure (mehrfach ungesättigte Fettsäure) enthalten, mit der der Körper zum Teil entzündungsfördernde Stoffe bildet, welche auch die rheumatische Entzündung begünstigen. Deshalb wird Betroffenen geraten, die Anzahl der Fleischmahlzeiten auf eine bis zwei pro Woche zu beschränken.


Vorbeugungsmaßnahmen

So richtig vorbeugende Maßnahmen, um eine chronische Polyarthritis aufzuhalten oder zu verhindern, gibt es leider nicht. Allerdings ist eine regelmäßige Bewegung, bei der alle Gelenke gleichmäßig belastet werden, sinnvoll und gelenkfreundlich. In Frage kommen z. B. Radfahren, Spazierengehen, Gymnastik und Schwimmen.


Quelle:
Wikipedia die freie Enzyklopädie

Weitere Information zur rheumatoiden Arthritis:
www.rheuma-online.de
www.rheuma-erkrankung.de


Veröffentlicht: 10/2009, von Anika Saager






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