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Gicht - Stoffwechselstörung mit rheumatischen Beschwerden

Die Gicht bezeichnet eine Störung im Harnsäure-Stoffwechsel und war früher eine typische Wohlstandserkrankung. Heute tritt die Krankheit in jeder Schicht auf und vorwiegend bei Männern. Allerdings bleibt ein erhöhter Harnsäurespiegel oft lange Zeit ohne Symptome und daher unbemerkt.


Früher kam Gicht nur bei Gutbetuchten vor, welche sich regelmäßig von Fleisch, Innereien und Alkohol ernährten. Nach besonders üppigen Mahlzeiten klagten sie stets über starke Schmerzen, vor allem im Großzehengelenk. Heute ist die Krankheit kein Inbegriff für Wohlstand mehr und tritt demzufolge häufiger auf.

Insbesondere Männer zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr leiden an der Gicht. Frauen erkranken meist erst zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr (nach den Wechseljahren) daran. Dies ist auf die hormonelle Umstellung zurückzuführen, denn in diesem Alter kommt es zu einem Absinken der weiblichen Östrogene (Sexualhormone), welche bei jüngeren Frauen vor einer Gicht schützen. Dabei lässt sich die Anzahl der Erkrankten noch genauer trennen. Während in den alten Bundesländern ca. 11 Prozent der Männer und 6 Prozent der Frauen an einer Gicht leiden, sind in den neuen Bundesländern deutlich weniger Menschen davon betroffen (nur etwa 8 Prozent der Männer und 3 Prozent der Frauen).


Bei der so genannten Urikopathie handelt es sich vorwiegend um eine erblich bedingte Stoffwechselstörung (genauer gesagt um eine Störung des Purinstoffwechsels), bei der es durch zu hoher Harnsäurekonzentrationen im Blut, zur Ablagerung von Harnsäurekristallen in Gelenken und Geweben kommt. Beträgt der Anteil der Harnsäure im Blut mehr als 6,5 mg/dl, spricht man von einer Hyperurikämie (griech = zu viel Harnsäure im Blut). Jedoch leidet nicht jede Person mit einem erhöhten Harnsäurespiegel unter den Symptomen der Gicht. Die Wahrscheinlichkeit erhöht sich aber mit zunehmender Steigerung der Hyperurikämie. Dabei kann die Erkrankung chronisch oder in Schüben von akuten Anfällen verlaufen. Grundsätzlich werden vier Stadien der Gicht unterschieden:

I. Stadium - Hyperurikämie ohne Symptome
II. Stadium - akuter Gichtanfall
III. Stadium - symptomfreie Zeitspanne zwischen zwei Anfällen
IV. Stadium - chronische Gicht mit irreparablen Gelenkveränderungen

Bereits in den Anfangsstadien kann es zu einer Beteiligung der Nieren kommen. Typisch dafür ist die Entstehung von Nierensteinen und Harnwegsinformationen. Bei dem vierten Stadium lagern sich die Harnsäurekristalle außer in den Gelenken auch in den Sehnenscheiden, Knochen und im Knorpel von Ohrmuschel, Ellenbogen und Ferse ab.


Symptome einer Gicht

Häufig tritt die Gicht zusammen mit dem metabolischen Syndrom auf, d. h. gemeinsam mit Übergewicht, Altersdiabetes, erhöhter Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte. Meist nachts kommt es, völlig unerwartet, zu einer sehr schmerzhaften Entzündung eines Gelenkes (bevorzugt des Großzehengrundgelenkes) mit Schwellung, Rötung und Überwärmung. In einigen Fällen tritt zusätzlich noch Fieber, Kopfschmerzen, Erbrechen, erhöhter Puls und ein allgemeines Krankheitsgefühl auf. Es können aber auch andere Gelenke von einem Gichtanfall betroffen werden, wie Sprung- und Kniegelenke, Fingergelenke, Knöchel, Ellenbogen und Handgelenke. Dabei ist der Befall eines einzelnen Gelenkes charakteristisch für die Erkrankung (im Gegensatz zur rheumatioden Arthritis). Ein Gichtanfall klingt nach einigen Tagen bis drei Wochen wieder ab, jedoch wiederholen sich die Anfälle häufig unter Zunahme der Schmerzen und der Dauer, wenn sie nicht behandelt werden. Nach dem ersten akuten Gichtanfall können Wochen bis Jahre vergehen (symptomfreies Intervall), bis weitere Krankheitszeichen auftreten.

Ist die Erkrankung unbehandelt geblieben und damit eine chronische Gicht entstanden, treten die Schmerzattacken in immer kürzeren Abschnitten auf. Zudem können eine Vielzahl an Folgeerkrankungen hinzukommen: Das Knochengerüst kann durch abgelagerte Harnsäurekristalle in den Knochen, instabil und brüchig werden. Typische schmerzlose Gichtknoten (Gicht-Tophi) entstehen, wenn sich Harnsäurekristalle in der Haut absetzen. Diese kleinen, unter der Haut verschiebbaren Knötchen, befinden sich am häufigsten an der dünnhäutigen Ohrmuschel und werden dort als „Gichtperle“ bezeichnet. Des Weiteren können Harnsäurekristallablagerungen in der Niere zur Bildung von Nierensteinen führen, welche wiederum eine schmerzhafte Nierenkolik verursachen und den Harnabfluss behindern. Durch den entstandenen Harnstau wird die Niere geschädigt. Glücklicherweise tritt so ein chronischer Nierenschaden (eine so genannte Gichtniere) bei einer gut behandelten Gicht eher selten auf.


Ursachen

Um die Auslöser zu diagnostizieren unterscheidet man zwischen der primären und sekundären Gicht:

Primäre Gicht
Sie beruht auf einem angeborenen Stoffwechselfehler, durch den die Ausscheidung von Harnsäure durch die Niere beeinträchtigt wird. Die primäre Gicht kann aber auch durch eine vermehrte körpereigene Harnsäurebildung aufgrund von Enzymdefekten ausgelöst werden. Diese erbliche primäre Gicht betrifft vor allem männliche Familienmitglieder. Wie sie verläuft, ist abhängig von den Ernährungsgewohnheiten der Betroffenen.

Sekundäre Gicht
Diese Gicht wird im Laufe des Lebens erworben oder tritt als Folge anderer Krankheiten auf. Die Ursachen können sein:
• bestimmte Krankheiten, die mit einem erhöhten Zellab- und umbau einhergehen (wie z. B. Tumore, Leukämie oder Blutkrebs)
• eine purinreiche Ernährung (zu viel Fleisch, Innereien und Hülsenfrüchte)
• übermäßiger Alkoholkonsum (da Alkohol die Harnsäureausscheidung reduziert)
• eine gestörte Ausscheidung von Harnsäure durch Medikamente oder eine Nierenkrankheit
• extremes Fasten und Radikalkuren
• Übergewicht
• eine Chemotherapie, bei der eine große Anzahl von Zellen absterben (wodurch es zu einer hohen Purinbelastung des Körpers kommt)
• eine vermehrte Harnsäurebildung bei gleichzeitig verminderter Harnsäureausscheidung (z.B. bei Glykogenspeicherkrankheit Typ I)


Behandlungsmethoden

Hierbei wird unterschieden zwischen der Behandlung der Krankheit und zwischen der Behandlung eines Gichtanfalls. Die Erkrankung kann entgegengewirkt werden durch:
• Eine Purinarme Diät, welche die Reduzierung bzw. den Verzicht von Fleisch (Wild, Geflügel, Wurst), Innereien, Hülsenfrüchte, Meeresfrüchte und Fisch beinhaltet.
• Verzicht von Alkohol, vor allem von Bier, da es selbst einen hohen Puringehalt besitzt und dadurch die Wahrscheinlichkeit für einen Gichtanfall erhöht.
• Vermeiden von Übergewicht. Dabei sollte die tägliche Fettaufnahme 70g nicht überschreiten. Auch die Art des Fettes spielt eine wichtige Rolle. Es empfiehlt sich den Anteil tierischer Fette, zugunsten von pflanzlichen Ölen zu reduzieren.
• Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (mindestens zwei Liter am Tag) beugt Nierenablagerungen vor.


Um bei einem Gichtanfall die Schmerzen schnell sowie effektiv zu lindern und die Entzündung einzudämmen, gibt es eine Vielzahl von Medikamenten. Auch wenn bereits Komplikationen wie z. B. Nierensteine vorliegen oder die Harnsäurekonzentration im Blut über 9 mg/dl liegt, ist eine zusätzliche medikamentöse Behandlung sinnvoll bzw. notwendig. Dabei stehen zwei Arten von Arzneimitteln zur Verfügung, welche zu einem Absinken des Harnsäurespiegels führen:

Urikosurika
Das sind Medikamente, welche die Harnsäureausscheidung fördern. Es gibt zwei verschiedene Wirkstoffe, dazu zählen das häufig verwendete Benzbromaron und das Probenecid. Sie hemmen beide die Rückresorption der Harnsäure in der Niere, wodurch deren Konzentration im Blut verringert wird. Zudem können Neubildungen von Gichtknoten verhindert und teilweise sogar abgebaut werden. Jedoch ist mit diesen Arzneimitteln auch die Gefahr verbunden, dass sich aus den Harnsäurekristallen Steine bilden, entweder in der Niere selbst oder in den ableitenden Harnwegen. Mit einer ausreichenden Flüssigkeitsversorgung kann aber der Steinbildung vorgebeugt werden.

Urikostatika
Diese Medikamente hemmen die Harnsäurebildung im Körper. Dabei ist Allopurinol das derzeit einzige Urikostatikum. Es blockiert ein Enzym des Purinstoffwechsels, welches die Bildung von Harnsäure katalysiert. Dadurch werden mit dem Urin vermehrt verschiedene Stoffwechselprodukte ausgeschieden, die als Vorstufe bei der Bildung der Harnsäure beteiligt sind. Das wiederum führt zu einer Senkung des Harnsäurebestandes.

Des Weiteren gibt es Medikamente, die in erster Linie die Gelenksentzündung eindämmen und vor allem zur Behandlung eines akuten Gichtanfalls eingesetzt werden. Das klassische Gichtmittel ist Colchicin. Jedoch wird es wegen seiner starken Nebenwirkungen nur noch selten und in sehr geringen Mengen gegeben. Bei einigen Betroffenen kann allerdings nur Colchicin die Schmerzen lindern. Dann gibt es noch kortisonfreie Entzündungshemmer, die so genannten nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Im Fall einer Gichtattacke wird häufig Indometacin verordnet, welches entzündungshemmend und schmerzstillend wirkt. Zudem bietet es einen wirkungsvollen Schutz vor erneuten Gichtanfällen. Aber auch Kortison kann die Entzündung erfolgreich bremsen. Jedoch wird es ausschließlich bei sehr schweren Gichtanfällen und dann nur wenige Tage angewendet. Gelegentlich spritzt der Arzt auch Kortison direkt in das entzündete Gelenk.

Grundsätzlich ist die Basis jeder Gicht-Behandlung eine purinarme Ernährung. Dadurch können manchmal sogar die Medikamente eingespart werden oder sind bestenfalls gar nicht mehr nötig. Deshalb ist eine lebenslange Diät vor allem bei der primären Gicht Pflicht.


Vorbeugungsmaßnahmen

• Purinarme Ernährung (d. h. Einschränkung oder Verzicht von Alkohol, Innereien, Fleisch, Hülsenfrüchte, Kohl, scharfe Gewürze, Geflügel, Blumenkohl, Mayonnaisen, Remouladen, Marinaden, Spinat, Spargel, Pilze, Sardellen, Hering und Ölsardinen)


• Übergewicht vermeiden bzw. reduzieren
• Viel trinken (mindestens zwei Liter täglich)
• Als Eiweiß- bzw. Proteinquelle bevorzugt Milch, Milchprodukte und Eier nehmen, da diese purinfrei bzw. sehr purinarm sind und reines Eiweiß die Harnsäureausscheidung über die Niere fördert.
• Extreme Fastenkuren oder üppige Feierlichkeiten meiden


Quelle:
Wikipedia die freie Enzyklopadie

Weitere Informationen zur Gicht:
www.rheuma-online.de
gicht.gesund.org


Veröffentlicht: 10/2008, von Anika Saager






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