Vitamine und Mineralstoffe während der Schwangerschaft
Vitamine und Mineralstoffe spielen in der Schwangerschaft und Stillzeit eine große Rolle, da sich der Bedarf an allen wichtigen Nährstoffen während dieser Zeit stark erhöht. Damit sich das Kind von Anfang an gut entwickelt, sollten Frauen bereits bei der Kinderplanung auf eine ausreichende Versorgung achten.Durchschnittlich benötigt eine werdende Mutter ca. 30 Prozent mehr an Vitaminen. Während der Stillzeit erhöht sich der Vitaminbedarf sogar um 50 Prozent. Auch Frauen, die vor ihrer Schwangerschaft mittels Pille verhütet haben, weisen einen höheren Bedarf auf, denn die Pille vermindert speziell die Aufnahme von Folsäure, der Vitamine B, C und D sowie der Mineralstoffe Magnesium und Zink. Und diese Vitalstoffe (sowie Eisen, Jod und Calcium) sind für Schwangere besonders wichtig. Normalerweise reicht eine ausgewogene Ernährung aus, um dieses Plus an Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und essentielle Fettsäuren zu decken. Manchmal ist jedoch eine Supplementierung (eine gezielte und ergänzende Aufnahme einzelner Nährstoffe) in Form von Nahrungsergänzungsmitteln notwendig, um den Mangel auszugleichen.

Vitamine für Schwangere:
Folsäure
Folsäure ist ein Vitamin aus dem B-Komplex und eines der wichtigsten für werdende Mütter. Der Bedarf steigt schon zu Beginn der Schwangerschaft auf das Doppelte (600µ pro Tag) an. Das wasserlösliche und hitzeempfindliche Vitamin ist maßgeblich an der Bildung und Reifung der roten Blutkörperchen, der Zellteilung sowie den Zellaufbau und am Wachstum des Kindes beteiligt. Zudem ist es wichtig für das kindliche Nervensystem und die Gehirnentwicklung. Eine ausreichende Folsäurezufuhr verhindert außerdem Missbildungen, wie den so genannten Neuralrohrdefekt (z. B. offener Rücken). Das Neuronalohr ist bei Embryos die Vorstufe des Rückenmarks und des Gehirns und wird in den ersten Wochen der Schwangerschaft geschlossen. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, Folsäure schon vor Beginn der Schwangerschaft als Vitaminpräparat (speziell für Schwangere Frauen oder solche, die es werden wollen) einzunehmen. Besonders viel Folsäure steckt in Spinat, Eigelb, Weizenkeimen, grünes Gemüse (wie Brokkoli, Erbsen und Rosenkohl), Vollkornprodukte, Orangen, Kirschen und Trauben.
Vitamin A
Vitamin A schützt die Schleimhäute vor Infektionen und Austrocknen, den Körper vor freien Radikalen (welche menschliche Zellen schädigen können) und ist wichtig für den Aufbau des Sehfarbstoffs und der Haut. Besonders im letzten Drittel der Schwangerschaft benötigt der Fetus vermehrt dieses Vitamin. Deshalb sollte eine Schwangere jeden Tag 1,1 mg, in Form von betacarotinreichen Lebensmitteln, zu sich nehmen. Denn Carotinoide werden im Körper in Vitamin A umgewandelt. Reichlich davon enthalten z. B. Milchprodukte, Paprika, Karotten, Kürbis und Spinat.

Vitamin B1, B2, B6
Die B-Vitamine sind wichtig für zahlreiche Stoffwechselvorgänge, wie z. B. den Kohlenhydrat-, Fett-, Eiweiß- und Glucosestoffwechsel (Energiestoffwechsel). Vitamin B1 benötigen Schwangere auch für das Nervensystem und die Herzmuskulatur. Zudem sind diese wasserlöslichen B-Vitamine von besonderer Bedeutung für das Zellwachstum, der Blutbildung und das Immunsystem. Die Entwicklung des Kindes kann vor allem das Fehlen von Vitamin B6 beeinträchtigen, welches bei Frauen die vor der Schwangerschaft mit der „Pille“ verhütet haben, häufig mangelhaft ist. B-Vitamine werden am besten über die Nahrung aufgenommen, durch Lebensmittel wie Fisch, Milchprodukte, Hülsenfrüchte, Geflügel- und Schweinefleisch, Vollkornprodukte, Nüsse, Hefeprodukte, Bananen und Eier.
Vitamin B12
Vitamin B12 unterstützt gemeinsam mit der Folsäure die Blutbildung und den Zellaufbau. Es kann zwar in geringen Mengen vom Körper selbst gebildet werden, jedoch ist der Bedarf einer Schwangeren höher als normal und eine Aufnahme über die Nahrung unerlässlich. Viel Vitamin B12 findet man in Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte.

Vitamin C
Vitamin C ist notwendig für die Produktion des Bindegewebes und der Gallensäure, sowie für die Zellatmung im Organismus. Außerdem stärkt es das Immunsystem und ist wegen seiner antioxidativen Wirkung sehr wichtig für Mutter und Kind, die Wundheilung und die Knochen. Schwangeren werden ca. 110 mg pro Tag empfohlen. Gute Vitamin-C-Lieferanten sind z. B. Zitrusfrüchte, Erdbeeren, Kiwis oder Paprika.
Vitamin D
Vitamin D wird für die Calciumeinlagerung in den Knochen benötigt und ist deshalb für die Knochbildung von Mutter und Kind zuständig. Auch für das Zahnwachstum ist es unentbehrlich. Besonders in den Wintermonaten und bei völlig bedeckten Körpern kann es zu Vitamin-D-Mangel kommen, da es in der Haut durch Sonneneinstrahlung gebildet wird. Über die Nahrung können vor allem Milchprodukte und Fisch den Bedarf an Vitamin D decken.

Mineralstoffe und Spurenelemente für werdende Mütter:
Calcium
Calcium unterstützt das Wachstum und die Erhaltung der Knochen und Zähne. Des Weiteren wird durch Calcium das Risiko für schwangerschaftsbedingte Blutdruckerhöhung und Präeklampsie (eine Form der Schwangerschaftsgestose) gesenkt. Außerdem beeinflusst es die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen, die Blutgerinnung und die Muskelkontraktion. Reichlich Calcium findet man z. B. in Milch, Milchprodukten und Nüssen.
Eisen
Eisen ist nicht nur wichtig für die Bildung des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin, sondern auch für den Sauerstofftransport in den Zellen. Während der Schwangerschaft erhöht sich der Bedarf um 100 Prozent, da die Gebärmutter und Plazenta Eisen einlagern und das Ungeborene einen Eisenspeicher anlegt. Zusätzliche Eisenverluste entstehen bei der Geburt und während der Stillzeit. Die Eisenaufnahme wird durch Vitamin C verbessert, weshalb man nicht nur zu grünem Gemüse, Hülsenfrüchte, Fleisch und Nüssen greifen sollte, sondern auch zu Zitrusfrüchten und Paprika.

Magnesium
Magnesium wirkt entspannend auf die glatte Muskulatur und schützt deshalb vor Waden- und Bauchkrämpfen, Übelkeit, vorzeitiger Wehentätigkeit und Verstopfung. Außerdem unterstützt es den Stoffwechsel. Nahrungsmittel wie Bananen, Milch, Vollkornbrot und Hülsenfrüchte enthalten besonders viel Magnesium.
Jod
Circa jede vierte werdende Mutter weist schon zu Beginn der Schwangerschaft einen Jodmangel auf. Dabei gilt Jod als „Treibstoff“ für das Wachstum und ist deshalb für die geistige und körperliche Entwicklung des Babys besonders wichtig. Des Weiteren erhöht ein Jodmangel in der Schwangerschaft das Risiko einer Kropfbildung, sowie geistiger und körperlicher Entwicklungsstörungen beim Neugeborenen. Außerdem braucht das Kind Jod zur Entwicklung seiner Schilddrüse. Schwangere benötigen eine höhere Dosierung, um den gesteigerten Stoffwechsel und den Hormonhaushalt richtig zu steuern. Eine tägliche Zufuhr von Jod kann über Nahrungsergänzungsmittel oder über die Nahrung direkt (Fisch, Milch, Jodsalz) erfolgen.

Zink
Das Spurenelement Zink ist ein Bestandteil vieler Hormone und Enzyme. Zudem ist es an zahlreichen Stoffwechselvorgängen beteiligt und von besonderer Bedeutung für das gesunde Wachstum des Kindes. Schwangere benötigen ca. 43 Prozent mehr als normal. Denn durch einen Mangel an Zink kann z. B. die Produktion von Wachstums- und Fortpflanzungshormonen eingeschränkt sein. Eine ausreichende Zinkversorgung erhält man durch Lebensmittel wie Nüsse, Pilze, Hefe, grüner Tee, Linsen und Vollkornprodukte.
Zusätzliche Nährstoffe für das Ungeborene
Da alle Nährstoffe, die der Fetus zum Wachstum und zur Entwicklung braucht, aus der Nahrung der Mutter stammen, ist die richtige Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit das A und O. Um den Nährstoffbedarf zu decken, sollte diese vielseitig und ausgewogen sein. Das heißt jedoch nicht, dass Schwangere das Doppelte essen müssen. Denn im Durchschnitt sind es nur ca. 255 kcal mehr, die für das Wachstum des Babys, die Bildung und Versorgung der Plazenta sowie anderer mütterlicher Gewebe benötigt werden. Das Ungeborene braucht außer Vitamine, Mineralstoffe und Spulenelemente jedoch noch ein paar andere Nährstoffe:
Kohlenhydrate
Die Empfehlung für die Kohlenhydratzufuhr liegt bei 50 bis 60 Prozent der Gesamtenergie. Durch den veränderten Insulin- und Glukosestoffwechsel sollte diese Zufuhr in der Schwangerschaft über mehrere kleine Mahlzeiten am Tag verteilt werden. Dabei sind langkettige Kohlenhydrate, zuckerhaltigen Lebensmitteln vorzuziehen.
Fett
Auch für Schwangere wird eine Fettzufuhr von ca. 30 Prozent der Gesamtenergiezufuhr empfohlen. Wichtig sind vor allem die mehrfach ungesättigten Fettsäuren, speziell die Omega-3-Fettsäuren. Denn diese reichern sich im Nervensystem und im Gehirn des Ungeborenen an und sind für die Entwicklung der geistigen Fähigkeit, des Sehvermögens und der Motorik von besonderer Bedeutung. In der Schwangerschaft ist vor allem die Aufnahme der Omega-3-Fettsäure DHA (Docosahexaensäure), welche in fetten Seefischen enthalten ist, sehr wichtig. Gesättigte Fettsäuren, sollten dagegen reduziert bzw. gemieden werden.
Protein
Während der Schwangerschaft empfiehlt es sich, ca. 1g je Kilogramm Körpergewicht an Eiweiß pro Tag zu sich zu nehmen. Denn Eiweiß ist für die gesunde Entwicklung des Babys unerlässlich. Vor allem im letzten Schwangerschaftsdrittel sollte eine Erhöhung der Zufuhr an hochwertigem Eiweiß erfolgen. Ausreichend Protein liefern hier vor allem Milch- und Fleischprodukte.
Veröffentlicht: 09/2009, von Anika Saager
Mehr zum Thema im Gesundheits-Ratgeber
Kostenloser NewsletterWir möchten mit Ihnen in Kontakt bleiben und informieren Sie regelmäßig über unsere neusten Angebote und Ratgeberthemen.
Jetzt anmelden