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VerstopfungEs liegen keine Richtwerte vor, wie oft am Tag und wie viel in welchem Alter ein Kind Stuhlgang haben sollte. Viel wichtiger ist, dass das Kind bei seinem Stuhlgang keine Beschwerden hat. So kann z.B. die Stuhlhäufigkeit bei gestillten Babys stark variieren. Manche Babys haben mehrmals pro Tag, andere nur einmal in der Woche und wiederum andere alle 2 Wochen (weichen) Stuhlgang. Die Häufigkeit des Stuhlgangs ist also je nach Kind unterschiedlich und völlig normal, wenn das Kind keine Schmerzen bei der Stuhlentleerung hat. Auch wenn sich Babys (unter 6 Monaten) bei der Stuhlentleerung anstrengen, die Beine anziehen, Fäuste ballen und ein rotes Gesicht bekommen, ist das noch kein Grund zur Beunruhigung. Oft ist dies ein Zeichen dafür, dass sie im Liegen Probleme haben, beim Stuhlgang. Erst wenn die Stuhlentleerung in ungleichmäßigen, längeren Intervallen erfolgt und der Stuhl darüber hinaus auch noch hart und trocken ist, liegt eine Verstopfung vor. Bei Klein- und Schulkindern spricht man bei einer gelegentlichen und schwierigen Stuhlentleerung von einer Verstopfung. Dabei entstehen Probleme beim Stuhlgang, wenn die Stuhlentleerung als unangenehm und schmerzhaft empfunden und der Gang zur Toilette verweigert wird. Ebenso kann eine Verstopfung bereits dann vorliegen, wenn der ausgeschiedene Kot kleiner ist, als die Stuhlproduktion im Verdauungstrakt. In den meisten Fällen ist eine Verstopfung eine funktionelle Darmstörung. Wobei der Stuhl nicht komplett oder nur mit Verzögerung ausgeschieden wird. Eine Verstopfung ist somit keine Krankheit, sondern ein Symptom, das aber andererseits eine Ursache für andere Erkrankungen sein kann.
Mögliche Ursachen einer Darmstörung- In den meisten Fällen ist die Verstopfung das Resultat einer für das Kind ungünstigen Ernährung. Dabei gilt es herauszufinden, welche Nahrungsmittel dem Kind gut tun. So kann es bereits zu einem Rückgang der Verstopfung kommen, wenn die Lebensmittel dem Kind nicht mehr angeboten werden, die es nicht verträgt. Ebenso führen zuviel Fleischprodukte und Süßigkeiten, verbunden mit zu wenig Obst, Gemüse und Vollkornprodukte bei den meisten Kindern zu einer Verstopfung.
- Ebenfalls kann eine zu geringe Flüssigkeitszufuhr Verstopfungen auslösen. Daher achten Sie bei Ihrem Kind auf eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme. Dadurch wird die Verdauung unterstützt und es kommt seltener zu einer Darmstörung.
- Da viele Babys sehr empfindlich auf eine Nahrungsumstellung, besonders von der Muttermilch auf Breimahlzeiten bzw. Beikost reagieren, kann dies kurzfristig zu einer leichten Verstopfung führen.
- Verstopfung kann auch das Resultat einer schmerzhaften oder unangenehmen Darmentleerung sein. Gerade bei Kindern in den ersten vier Lebensjahren ist diese Ursache der häufigste Grund für eine Verstopfung. Die Kinder entwickeln dann große Ängste vor dem Stuhlgang und halten diesen schließlich zurück. Wird die Ursache nicht behoben, kann sich eine einmal entstandene Verstopfung von selber weiter fortsetzen.
- Bei einigen Kindern, hauptsächlich sind Jungen betroffen, kommt es beim vorliegen von Morbus Hirschsprung zu einer Verstopfung. Morbus Hirschberg ist eine angeborene Erkrankung des Dickdarms. In diesem Fall, fehlen den Kindern in einem bestimmten Abschnitt Nervenzellen, die die Muskeln zum anspannen bzw. zusammenziehen und dadurch zum Weitertransport des Kots anregen. Der Darm kann sich nicht mehr ausdehnen und der Stuhl verbleibt an dieser Stelle. Daraus entwickelt sich ein chronisches Krankheitsbild mit Verstopfung und aufgeblähten, harten Bauch. Darüber hinaus kann eine Verstopfung auch ausgelöst werden, durch eine Rückenmarksläsion oder angeborener Analstenose.
- Auch so genannte Allgemeinerkrankungen können zu einer Verstopfung führen. Eine davon ist z.B. die Unterfunktion der Schilddrüse. Bei dieser Erkrankung werden nicht genügend Schilddrüsenhormone produziert, die aber u.a. notwendig sind, bei der Verwertung von Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen. Der Grund für eine Schilddrüsenunterfunktion ist entweder auf ein Fehlen der Schilddrüse oder aber auf eine Unterfunktion des Organs zurückzuführen. Dabei ist von 3000 bis 4000 Neugeborenen in der Regel eines betroffen.
- Auch äußere Faktoren spielen bei der Ausbildung einer Verstopfung eine wichtige Rolle. So kann z.B., eine Irritation im Rahmen der Sauberkeitserziehung oder eine Änderung der Umgebung bzw. der familiären Situation den Stuhlgang erschweren. Bei Kindern, die gerade in den Kindergarten oder in die Schule gekommen sind, können auch psychische Gründe hinter einer Verstopfung stecken.
Da die Ursachen einer Verstopfung sehr vielseitig sind, sollten diese unbedingt durch eine ärztliche Untersuchung abgeklärt werden. Symptome einer Verstopfung- Bei Säuglingen sind die Symptome einer Verstopfung sehr mannigfaltig. Dabei werden die Symptome oft übersehen, weil sich die Kinder zu Schmerzen oder Beschwerden nicht äußern können. Darüber hinaus ist die Stuhlhäufigkeit sehr unterschiedlich. Dies hat zur Folge, dass beginnende Symptome einer Verstopfung nicht richtig erkannt werden. In der Regel sind die Kinder sehr quengelig, appetitlos und Erbrechen die aufgenommene Nahrung nach den Mahlzeiten. Sie haben Probleme beim Einschlafen und sind in der Nacht sehr unruhig.
- Fängt Ihr Kind bei einem leichten Druck auf den Bauch an zu weinen oder ist die Bauchdecke angespannt bzw. verhärtet, leidet es möglicherweise unter einer Verstopfung. Treten die Symptome kurz nach der Geburt auf, kann eine angeborene Fehlbildung oder Erkrankung die Ursache sein.
- Das Hauptsymptom einer Verstopfung sind aber die verminderten, in unregelmäßigen Abständen auftretenden Stuhlentleerungen. In solchen Fällen tritt der Stuhlgang maximal einmal in drei Wochen bzw. noch seltener auf. Für die Kinder ist die Darmentleerung schmerzhaft und sie haben Bauchschmerzen. Darüber hinaus kann sich auch Blut im Kot befinden. Dies kann von kleinen Rissen im After herrühren, die durch die starke Anstrengung beim Pressen verursacht wird.
- Auch wenn der Stuhl fest ist und aus kleinen Klümpchen besteht, kann eine Verstopfung vorliegen.
- Bei cirka 50 Prozent der Kinder kommt es zeitweilig zu spontanen Stuhlabgängen, indem der Darm überläuft. Die Kinder verspüren aber keinen Drang zur Stuhlentleerung und merken deshalb nicht, dass Stuhl abgeht.
- Viele Kinder nässen zusätzlich ein, dass ihnen so peinlich ist, dass sich psychische Probleme entwickeln können. Schenken Sie deshalb diesem Symptom besondere Aufmerksamkeit.
Empfohlene DiagnostikWichtig für eine Diagnosestellung ist nicht die Häufigkeit der Darmentleerung, sondern die begleitende Symptomatik. Dabei muss der Arzt eine Patientenbefragung durchführen, die so präzise wie möglich erfolgen soll. Die zu erfassenden Begleitsymptome können z.B. sein: Schmerzen beim Stuhlgang, Kotschmieren, Einnässen, Vermeidungsverhalten sowie Ernährung. Diese Symptome stellen die Grundlage für die Diagnose und geben ausschlaggebende Hinweise für eine zielgerichtete Therapie. Verbunden mit einer Patientenbefragung ist immer die Untersuchung des Magen-Darm-Traktes und des Analbereiches. Aber auch die körperliche und geistige Entwicklung des Kindes sollte nicht unberücksichtigt bleiben. Um andere Erkrankungen ausschließen zu können, sind Laboruntersuchungen ebenfalls notwendig. Wenn angeborene Ursachen oder Allgemeinerkrankungen ausgeschlossen werden können bzw. eine durchgeführte Therapie nach maximal 6 Monaten nicht zum Erfolg geführt hat, ist es notwendig, weitere Untersuchungen (z. B. Kontrasteinläufe, Schleimhautbiopsie) zu veranlassen.
Maßnahmen zur BehandlungEine der wichtigsten Maßnahmen sollte immer eine Ernährungsumstellung sein: - Die Hauptursache für eine Verstopfung ist die zu geringe Aufnahme ballaststoffreicher Nahrungsmittel. Daher sollte eine Nahrungsmittelumstellung mit vielen Ballaststoffen erfolgen. Denn ballaststoffreiche Nahrungsbestandteile binden das Wasser und quellen auf, was wiederum den Stuhl lockert und die Darmtätigkeit angeregt. Darüber hinaus, ist sie vitaminreicher, zucker- und fettärmer. Ihr Kind sollte deshalb eine ausreichende Menge an ballaststoffreicher Nahrung, d.h. viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukte zu sich nehmen.
- Vermeiden Sie bei Ihrem Kind stopfende Lebensmittel wie Süßigkeiten, Kakao, Weißmehlprodukte, Fastfood, Kuchen, Bananen etc. Bei Säuglingen, die zur Verstopfung neigen, sollten Sie keine Reis- oder Haferflocken zur Flasche hinzugeben und den Verzehr von Karottensaft einschränken.
- Wenn Ihr Kind es mag, können Sie ihm auch probiotischen Joghurt zur Unterstützung der Verdauung bzw. zur Regeneration der Darmflora anbieten. Für Säuglinge die nicht gestillt werden, sind Milchnahrungen mit prebiotischen Ballaststoffen empfehlenswert. Sie regulieren die Darmfunktion und tragen zu einer gesunden Darmflora bei.
- Auch Trockenobst wie Pflaumen oder Datteln wirken verdauungsfördernd. Dazu entfernen Sie sorgfältig alle Steine aus dem Trockenobst und schneiden sie anschließend in Stücke.
- Geben Sie Ihrem Kind zur Anregung der Verdauung viel zu trinken. Bieten Sie ihm aber nur Mineralwasser, Kindertees oder ungesüßte Säfte an. Dabei sollten Kleinkinder cirka 1000 ml und Kindergartenkinder bis zu 1500 ml Flüssigkeit am Tag zu sich nehmen.
- Sie können Ihrem Kind auch ungeschroteten Leinsamen und Weizenkleie zur Anregung der Verdauung geben. Verabreichen Sie Ihrem Kind über den Tag verteilt, ab dem zweiten Lebensjahr drei Teelöffel Leinsamen oder zwei Esslöffel Weizenkleie. Ist Ihr Kind älter als vier Jahre, können Sie ihm auch bis zu vier Esslöffel Weizenkleie oder bis zu sechs Teelöffel Leinsamen geben. Sorgen Sie anschließend für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, da sich der Stuhl durch die quellende Wirkung von Leinsamen oder Kleie sonst verfestigen kann.
- Wenn Sie sicherstellen können, dass Ihr Kind nicht an einer Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) leidet, können Sie ihm zur Anregung der Darmtätigkeit Milchzucker verabreichen. Bei der Gabe von Milchzucker achten Sie bitte darauf, es in den ersten sechs Lebensmonaten nur vorübergehend einzusetzen. Dies ist zu empfehlen, da sowohl Muttermilch als auch Säuglingsanfangsnahrung bereits Milchzucker enthalten. Ab dem sechsten Lebensmonat können Sie Ihrem Kind einen Teelöffel Milchzucker pro Tag geben und dann schrittweise die Menge erhöhen. Bekommt Ihr Kind aber Bauschmerzen, Blähungen oder Durchfall müssen Sie die Dosis reduzieren.
- Pharmazeutisch wirksame Abführmittel sollten Sie erst nach Rücksprache mit dem Kinderarzt verwenden.
Ein geregelter Lebens- und Ernährungsrhythmus sollte eine weitere wichtige Maßnahme sein. Die Störungen des Darms können reduziert werde, denn: - Ein geregelter Tagesablauf ist für die Erziehung des Darms sehr wichtig. Legen sie zunächst einen geregelten Ernährungsrhythmus fest, damit sich die Verdauung Ihres Kindes auf die festgelegten Essenszeiten einstellen kann. Führen Sie z.B. drei Hauptmahlzeiten und ein bis zwei Zwischenmahlzeiten ein und lassen Sie aber die Nascherei zwischendurch weg.
- Eine wichtige Behandlungsmaßnahme ist auch, den Gang zur Toilette bzw. auf das Töpfchen zu üben. Ihr Kind sollte am besten 15 bis 30 Minuten nach einer großen Mahlzeit regelmäßig zur Darmentleerung aufgefordert werden. Dabei wird der Magen durch das Essen gedehnt, was zu einer Reflexbewegung des Dickdarms führt. Dadurch wird der Stuhlgang weiter geschoben und die Darmentleerung wird ausgelöst. Notwendig ist, dass Sie Ihrem Kind ausreichend Zeit für den Stuhlgang lassen. Das Hauptziel, einen eigenständigen Entleerungsreflex wieder herzustellen, benötigt zu dem viel Zeit und Ausdauer.
Auch tägliche Bewegung unterstützt die Verdauung. Außerordentlich wichtig ist eine Festigung der Bauchmuskulatur: - Dazu können Sie Ihr Baby viel in der Rückenlage strampeln lassen. Wenn Ihr Baby etwas älter ist, verhilft ausgedehntes Krabbeln und Laufen zu einer kräftigen Bauchmuskulatur.
- Ab einem Alter von zwei Jahren, wird die Darmtätigkeit durch Luft Rad fahren mit den Beinen in Rückenlage angeregt.
- Ab dem dritten Lebensjahr kann der Darm auch durch Rumpfbeugen aktiviert werden.
- Grundsätzlich gilt, dass eine ausreichende körperliche Bewegung nicht nur die Darmtätigkeit anregt, sondern auch Verstopfungen vorbeugen kann.
- Bei Säuglingen lässt sich eine Verstopfung auch dadurch lösen, wenn Sie eine eingefettete Spitze des Fieberthermometers in den After einführen und dort sanft hin und her bewegen.
Jedes fünfte bis zehnte Kind leidet unter einer Störung des Darms. Handelt es sich um eine Verstopfung, die nicht organisch bedingt ist, kann sie mit einer Ernährungsumstellung, ausreichend Bewegung und einer erhöhten Trinkmenge gelöst werden. Dabei sind Kinder bei Ernährungsumstellungen oder auf Reisen am häufigsten verstopft. Sobald ein normaler Stuhlgang erreicht wurde, können Sie alle Maßnehmen zur Behandlung abbauen. Aber auf eine ballaststoffreiche Ernährung sollten Sie auch dann nicht verzichten. Tritt eine Verstopfung insbesondere bei Säuglingen auf und hat das Kind trotz der hier genannten Maßnahmen nach 2 Wochen noch immer keinen Stuhlgang, sollten Sie einen Kinderarzt aufsuchen. Treten zusätzlich starke Bauchschmerzen auf, mit gleichzeitigem Erbrechen und Ihr Kind hat Bauchkrämpfe sowie einem angespannten Bauch, können dies mögliche Anzeichen einer ernsthaften Erkrankung sein. In diesem Fall müssen Sie Ihr Kind umgehend von einem Arzt untersuchen lassen.
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